Wenzelskirche Naumburg – Sehenswürdigkeiten in Sachsen Anhalt

Schönes altes Gewölbe in der Wenzelskirche Naumburg

Wenzelskirche in Naumburg

Die im südlichen Sachsen-Anhalt gelegene Stadt Naumburg wurde erstmals im Jahr 1012 urkundlich erwähnt. Von 1028 bis zur Umsetzung der Reformation im Jahr 1564 war Naumburg Bischofssitz. Die Stadtrechte wurden Naumburg 1144 verliehen.

Das bekannteste Wahrzeichen Naumburgs ist der größtenteils aus dem 13. Jahrhundert stammende Dom, der sich im Bereich der mittelalterlichen Altstadt befindet. Er wird heute zu den bedeutendsten Bauwerken der Spätromantik gezählt und ist gleichzeitig eine der Stationen an der Straße der Romantik. Nach der Auflösung des Bistums 1564 verlor der Dom seine Funktion als Bischofssitz.


Wenzelskirche Naumburg von Außen

Gotteshaus seit 1228

Außerhalb des geistlichen Bezirkes der ehemaligen Domfreiheit befindet sich noch ein weiteres Wahrzeichen Naumburgs und zwar die Wenzelskirche. Die Ursprünge dieses Gotteshaus gehen auf das Jahr 1228 zurück, wo sie zum ersten mal urkundlich erwähnt wird. 1411 fiel der Kirchturm einer der zahlreichen Stadtbrände zum Opfer. Die feierliche Grundsteinlegung des Neubaues erfolgte am 25. August 1426. Um die Kirche standesgemäß ausstatten zu können, fanden 1429 umfangreiche Sammlungen statt. Die öffentliche Übergabe fand 1434 statt, obwohl sie bis dato noch nicht vollständig fertiggestellt war. Erhaltene Dokumente zwischen dem Rat und den Steinmetzen legen nahe, dass sich die Arbeiten noch bis ins Jahr 1446 hinzogen.

Kirchenbrand 1473

Durch einen weiteren Brand 1473 wurde Kirche abermals zu einem großen Teil beträchtlich beschädigt. Ursprünglich waren für den Wiederaufbau zwei Kirchtürme geplant, von denen aber nur der nördlichste zur Ausführung kam. Dieser ist allerdings mit seiner Gesamthöhe von 72 Metern, der höchste Turm Naumburgs. Die Weihe des wieder hergestellten Gotteshauses sowie seiner Altäre und des Kirchhofes erfolgte am 11. Mai 1511.

Wachkerker und Turmspitze

In den folgenden Jahren wurde eine Türmerwohnung eingerichtet; das Kirchenschiff erhielt eine Verschalung für ein Schieferdach und der Turm erhielt zusätzlich vier Wacherker. In diese Zeit fällt auch die Errichtung der Turmspitze. All dies Bemühen wurde aber bei einem weiteren Brand am 21. Oktober 1517 wieder zunichte gemacht. Der Feuersbrunst fiel diesmal die komplette Inneneinrichtung sowie die Turmspitze zum Opfer. Der erneute Wiederaufbau wurde allerdings sehr rasch bewältigt, denn bereits 1518 wurde das neue Glockenspiel aufgehängt und die abschließende Neuweihe der Kirche fand 1520 statt. Endgültig beendet wurden die Arbeiten aber erst 1523.

Uhrwerk und Altarwand

Der Altar der Wenzelskirche Naumburg

Weitere Einbauten erfolgten in Jahren 1534 / 35 (die Schülerempore) und im 17. Jahrhundert (die Steinemporen an den Chorwänden). 1597 erhielt der Turm der Kirche ein neues Uhrwerk, welches bis heute erhalten blieb. Zwischen den Jahren 1677 und 1680 wurde die dreigeschossige Altarwand durch den Zeitzer Hofbildhauer Heinrich Schau errichtet. 1683 entwarf der Dresdener Maler Johann Oswald Harms das Altarbild. Die Umgestaltung des gesamten Innenraums im Stile des Barocks erfolgte 1724. In jener Zeit wurde auch die Spiegeldecke eingezogen. Während des Zweiten Weltkrieges wurden Teile des Mauerwerkes an der Nord- und Westseite erheblich beschädigt.

Hildebrandtorgel weltweit bekannt

Hildebrandtorgel in der Wenzelskirche

Was aber die Wenzelskirche weltweit bekannt machte, ist sogenannte Hildebrandtorgel. Sie gilt heute als ein wahres Juwel der barocken Orgelbautradition. Überhaupt ist diese Orgel die einzige noch erhaltene Bachorgel weltweit. Ihr Erbauer, Zacharias Hildebrandt, baute die Orgel zwischen den Jahren 1743 und 1746 in das von Johann Göricke erstellte Barockgehäuse (Entstehungszeit von 1695 bis 1697) ein. Die Abnahme erfolgte durch keine geringeren als von dem Leipziger Thomaskantor und Kurfürstlich-Sächsischen Hofkompositeur Johann Sebastian Bach und dem Orgelbauer Gottfried Silbermann. Erstmals in den Jahren von 1932 / 33 wurde die Orgel restauriert, aber auch erweitert. Weitere Instandsetzungen fanden in den Jahren 1962 bis 1964 statt. Ab 1993 begann man die Orgel in ihrem Urzustand von 1746 zurückzuversetzen. Die Arbeiten wurden am 3. Dezember 2000 durch ihre feierliche Einweihung offiziell abgeschlossen. Die Restaurierungskosten von insgesamt 4 Millionen DM wurden zum größten Teil durch private Spenden ermöglicht. Im Jahr 2000 wurden außerdem die drei größeren Glocken, der insgesamt sechs Turmglocken, restauriert. Einst waren sie von Martin Hilliger aus Freiberg im Jahr 1518 gegossen worden.

Bilder und Grabmäler in der Wenzelskirche

Grabmal in der Wenzelskirche Naumburg

Aber auch weitere Ausstattungsgegenstände dieser Stadtkirche sind sehenswert. Dies trifft vor allem auf die zahlreichen erhaltenen Bilder und Grabmäler zu. Unter den Gemälden befinden sich einige Werke von Lucas Cranach dem Älteren (“Anbetung der Könige” und “Jesus als Kinderfreund”) und Bartholomäus Spranger. Des Weiteren befindet sich unter den Grabplatten, die des Pagen des schwedischen Königs Gustaf Adolf II. Der aus einem niederbayrischen Adelsgeschlecht stammende August von Leubelfing wurde in der Schlacht von Lützen (am 6. November 1632; in jener Schlacht fiel auch Gustav Adolf) schwer verwundet. Am 15. November 1632 erlag er in Naumburg schließlich seinen Verletzungen.

Bilder aus der Wenzelskirche

Kontakt

  • Stadtkirche St. Wenzel
  • Topfmarkt
    06618 Naumburg
  • Gemeindebüro
  • Telefon: 03445 201516

Öffnungszeiten Stadtkirche St. Wenzel

  • April und November : 13.00 bis 15.00 Uhr
  • Mai-Oktober: 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr
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3 Kommentare

  1. Sehr geehrte Damen / Herren,
    gibt es bei Ihnen in der örtlichen Tradition eine (auch inoffizielle) Erklärung
    dafür, wie es zum Patrozinium des hl. Wenzel in Naumburg kam? Eine kurze Antwort würde mir genügen.
    MfG:
    M. Richter

  2. Karl Schöppe schreibt in der “Geschichte der St. Wenzelskirche zu Naumburg a. d. S.” (Sieling-Verlag 1930) dazu: man darf aus der Namensgebung “vielleicht schließen, daß zu der Zeit, wo es galt, für diese Kirche einen Schutzheiligen zu wählen, das Wendentum – wenn auch nicht mehr das heidnische, sondern das bekehrte – hier noch so stark war, daß man es für angebracht hielt, den kirchlichen Patron aus der national verwandten Slawenwelt zu wählen.”

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