Gesundheitsangst Störung Cyberchondrie

Gesundheitsangst Störung Cyberchondrie

Cyberchondrie ist nur den wenigsten Menschen ein Begriff und gilt als neuartige Form einer Gesundheitsangst. Durch das Internet hervorgerufen neigen Patienten zu einer √ľbertriebenen Selbstrecherche und der Erstellung von Krankheitsdiagnosen. Ein zwanghaftes Verhalten, das sich nur schwer diagnostizieren und das sich mit der Krankheit Hypochonder gleichsetzen l√§sst. Nachfolgend ein Beitrag zum besseren Verst√§ndnis von Cyberchondrie.

Begriffsdefinition

Cyberchondrie ist eine psychische St√∂rung, die Patienten im Laufe des Lebens bei einer zu starken Internetnutzung selber f√ľr sich entwickeln. Der Grundbaustein bildet die Angst, in Zukunft an einer schwerwiegenden Krankheit erkranken zu k√∂nnen. Mit einer zunehmenden Selbstrecherche im Internet m√∂chte sich der Patient selber aufkl√§ren und Krankheiten von vorne herein ausschlie√üen oder sogar in die engere Wahl ziehen. Durch eine extreme Selbst√ľbersch√§tzung werden Wahnvorstellungen ausgel√∂st, durch die sich der Patient Krankheitssymptome oder gar ganze Krankheitsverl√§ufe einbildet, ohne dass diese der Realit√§t entsprechen m√ľssen.

Durch die neuartige Form der Krankheit und dem direkten Zusammenhang zwischen dem Internetkonsum und einer psychischen Störung entstand der Begriff Cyberchondrie (Gesundheitsangsstörung).

Ursachen und Auslöser

Von der Krankheit betroffen sind vor allem die Menschen, die bereits von klein auf ein gest√∂rtes Verh√§ltnis zu sich selber, ihrem K√∂rper und dem eigenen Gesundheitszustand haben. All jene Menschen haben bereits eine gewisse Vorsch√§digung davon getragen, wodurch sie psychisch leicht beeinflussbar sind. Hat man als Kind z.B. miterleben m√ľssen, wie es zu schwerwiegenden oder sogar t√∂dlichen Krankheitsbildern innerhalb der Familie kam, so gilt die Angst als treuer Wegbegleiter. Man ist extrem vorsichtig und m√∂chte allen negativen Einfl√ľssen direkt aus dem Wege gehen. Selbst eine wohl beh√ľtete Kindheit kann davon gepr√§gt sein, dass man immer wieder vor der gef√§hrlichen Welt gewarnt wurde und somit der Grundbaustein der Gesundheitsangstst√∂rung gelegt wurde. Eltern / Erziehungsberechtigte tragen demzufolge eine Mitschuld an der psychischen St√∂rung, die sogar erblich weitergegeben werden kann. √Ąrzte sprechen von einer genetischen Veranlagung.


Durch das gro√üfl√§chig ausgebaute Internetnetz haben die Betroffenen die M√∂glichkeit, √ľber die Selbstrecherche via Internet Krankheitssymptome zu googeln und Eigendiagnosen zu stellen. Die F√ľlle an verschiedenen Informationen wird in diesem Fall aber nicht richtig verarbeitet und f√ľhrt langfristig zu einer kompletten √úberforderung. Das Krankheitsbild wird mit zunehmender Internetrecherche weiter gest√§rkt, und der Betroffene f√§llt in ein psychisches Loch voller Angst, Schrecken und Selbstjustiz.

Symptome und Verlauf

Das Krankheitsbild der Gesundheitsangst äußert sich nach Außen in klar ersichtliche Symptome. Begleitend von der schon krankhaften Angst krank zu werden kommt es zur zwanghaften Internetrecherche nach Krankheitsbildern, Symptome und Gesundheitsartikeln. Eine lebensbedrohliche / tödliche Krankheit soll ausgeschlossen werden, wobei die Angst mit zunehmender Suche nur noch verstärkt wird.

Als Risikopatienten gelten aber auch all jene Personen, die bereits nachweislich unter einer Hypochondrie leiden. Bei dieser Vorgeschichte lässt sich eine entsprechende Diagnose deutlich schneller stellen, da das Krankheit typische Merkmal Angst in beiden Krankheiten gleich stark ausgeprägt ist. Ansonsten lässt sich eine Gesundheitsangststörung nur recht schwer diagnostizieren und wird oftmals erst dann erkannt, wenn der Krankheitsprozess schon weit fortgeschritten ist.

Das stundenlange Sitzen vor dem Internet kann demzufolge nicht zwangsl√§ufig als Krankheit gewertet werden. Viele Faktoren m√ľssen gleichzeitig aufeinander treffen, damit eine psychische Angst St√∂rung √ľberhaupt erst ermittelt werden kann.

Wissen Betroffene, dass sie an Cyberchondrie leiden?

Eine Störung durch Gesundheitsangst wird durch den psychisch vorbelasteten Patienten nicht wahrgenommen. Vielmehr haben Betroffene körperliche Schmerzen, mit denen Sie einen Arzt aufsuchen. Mittels einer vorangegangenen Recherche im Internet schildert der Patient dem Arzt genau die Erkrankung, an die er zu leiden glaubt. Nachhaltige Untersuchungen belegen aber schnell das Gegenteil und weisen den Patienten als gesundheitlich fit aus. Das eine zwanghafte Internetsucht nach Krankheitsbildern vorliegt, kommt meist nie zur Sprache und bleibt oftmals im Verborgenen.

Im Laufe der Zeit werden die zahlreichen Arztbesuche zwar auffallend, doch bis tatsächlich eine echte Cyberchondrie-Diagnose gestellt wird, können im Durchschnitt bis zu 7 Jahre vergehen.

Kann die Krankheit gesundheitliche Schäden hervorrufen?

Eine Angstst√∂rung beinhaltet nicht nur ein √§ngstliches und eingeschr√§nktes Wahrnehmungsverm√∂gen sondern kann auch gewisse Nebenwirkungen hervorrufen. Dazu z√§hlt eine st√§ndige Nervosit√§t, einhergehende Schlafst√∂rungen, ein Gr√ľbelzwang und die Unf√§higkeit sich auf berufliche / private Aspekte zu konzentrieren. Bei einer Nichtbehandlung der Erkrankung kann es zu starken Depressionen und gesundheitlichen Einschr√§nkungen kommen. Der Betroffene nimmt sich selber und seinen K√∂rper nicht mehr richtig wahr, was wiederum zu einem starken Abnehmzwang f√ľhren kann oder der Unwissenheit Essen und Trinken zu sich zu nehmen. Personen mit einer extremen psychischen St√∂rung sind unberechenbar f√ľr sich und andere und m√ľssen unter √§rztlicher Obhut und Pflege gestellt werden.

Behandlungsmöglichkeiten

Eine psychisch veranlagte Angstst√∂rung mit einer √ľbertriebenen Internetrecherche kann bislang nicht effektiv behandelt werden. Die Ursache liegt einfach in den fehlenden Behandlungsm√∂glichkeiten und der Tatsache, dass es sich um eine vollkommen neue Erkrankung handelt. Es gibt weder medikament√∂se Testversuche mit Patienten noch einschl√§gige Therapieversuche. Alles was ein Arzt in diesem Fall tun kann ist, den Patienten wie bei einer Hypochondrie zu behandeln.

Ausgehend von einer psychotherapeutischen Behandlung wird der Arzt gleichzeitig eine kognitive Verhaltenstherapie vorschlagen. Bei der kognitiven Therapie geht es darum, den Patienten davon zu √ľberzeugen, dass keine Erkrankung vorliegt. Der Arzt fungiert gleichzeitig als Therapeut, indem er den Betroffenen dazu bringt, seine eigene Selbsteinsch√§tzung zu ver√§ndern. Der Therapieweg ist extrem lang und kann mit der Einnahme von Antidepressiver unterst√ľtzend begleitet werden. Weiterhin muss die Selbstrecherche von Krankheitssymptomen langsam abnehmen, damit ein eigenst√§ndiges Leben und Selbstbewusstsein √ľberhaupt erst m√∂glich ist.

Welcher Arzt kann helfen?

Die Gesundheitsangst Cyberchondrie ist eine psychische Erkrankung, die nur schwer nachgewiesen werden kann. Betroffene haben meist k√∂rperliche Beschwerden, wo eigentlich keine sind und die Grundthematik der zunehmenden Internetrecherche kommt √ľberhaupt nicht zur Sprache. Ein Allgemeinmediziner ist hier schnell √ľberfordert und stellt lediglich eine leichte √úberforderung fest, die z.B. beruflich ausgel√∂st wurde.

Der absolut richtige Ansprechpartner w√§re in diesem Fall der Psychiater. Nur leider ist es immer recht schwer, den Betroffenen von einem Besuch zu √ľberzeugen, zumal man sich dann vielfach eine Erkrankung eingestehen muss. Eine allgemeine Verwirrung kann beim Psychiater schnell ins rechte Licht ger√ľckt werden. Wo allgemeine Angstzust√§nde f√ľr Au√üenstehende nur schwer einzusch√§tzen sind, kann der Psychiater die Sachlage deutlich besser beurteilen. Je nach Krankheitsgrad k√∂nnen bereits 30 bis 40 Sitzungen ausreichen um den Ursprung der Angst zu ermitteln und zu beseitigen.

Eine psychische Erkrankung kann langfristig behandelt werden. Selbst wenn sich die Angstauslöser nicht vollständig beseitigen lassen, so ist doch mit Hilfe des Psychiaters wieder ein lebenswertes Leben möglich.

Wie m√ľssen sich Angeh√∂rige verhalten?

Im Anfangsstadium wird die Erkrankung von √Ąrzten und Angeh√∂rigen √ľberhaupt nicht wahrgenommen. Vielmehr versuchen Angeh√∂rige den Betroffenen zu helfen, indem sie ihnen jegliche Unterst√ľtzung zusichern. Dargelegte k√∂rperliche Beschwerden werden von den Angeh√∂rigen ernst genommen, ohne dass ihnen bewusst ist, dass es sich nur um eingebildete Symptome handelt. Der Leidensweg f√ľr Betroffene und Angeh√∂rige ist lang, zumal man sich dem Ernst der Lage erst √ľberhaupt nicht bewusst ist. Wird die psychische Krankheitsst√∂rung jedoch erfolgreich diagnostiziert, sollten Angeh√∂rige eine unterst√ľtzende und wohlwollende Funktion einnehmen. Ein ablehnendes Verhalten w√§re jetzt vollkommen falsch und w√ľrde den Genesungsprozess nur negativ mit weiteren √Ąngsten beeinflussen.

Verbreitungsgrad der Krankheit

Psychisch basierende Angstzust√§nde haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen und werden durch die Mutation der Krankheit noch schneller voran schreiten als bisher. Zu verdanken hat man dies dem World Wide Web, welches im Alltag kaum mehr wegzudenken ist. Das Googeln von Fakten war noch nie so einfach und f√ľhrt leider auch dazu, psychische St√∂rungen zu verst√§rken. Beginnend mit der zwanghaften Suche nach Symptomen und Krankheitsbildern kann sich die psychische St√∂rung ungehindert ausbreiten und wird von den √Ąrzten leider nur viel zu selten diagnostiziert. Der Krankheitsverlauf ist schwierig und auch das Auftreten der Betroffenen steht in keinem Zusammenhang mit den vielfach geschilderten Beschwerden. Wenn es um psychische Belange geht braucht es zur Diagnosefindung enorm viel Zeit, die ein Allgemeinmediziner leider nicht hat.

Vorbeugende Maßnahmen

Damit es gar nicht erst zu internetbasierenden Angstzust√§nden kommt, sollten speziell Hypochonder die Recherchefunktion des Internets meiden. Ein komplettes Internetverbot ist hierbei nicht notwendig, sofern sich der Betroffene ausreichend unter Kontrolle hat. Zus√§tzliche Gespr√§che mit dem behandelnden Arzt √ľber die Gesundheitsangst k√∂nnen hilfreich sein, um im verborgen liegende √Ąngste bereits im Ursprung zu minimieren. Nur so kann man seine Angstzust√§nde unter Kontrolle behalten und den leisen √úbergang zur Gesundheitsangstst√∂rung verhindern.

Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung

Quellenangaben:

http://www.aerzteblatt.de/archiv/134440
http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/angst/article/914635/cyberchondrie-wenn-internet-gesunde-kranken-macht.html
http://wireinander.tk.de/first-world-problems/cyberchondrie/
http://www.root.webdestination.de/kunden/01extern/bdn_redaktion_ssl_neu/upload/028-032_nt070813_fb_cyberchondrie_eichenberg_onlinepdf.pdf
http://www.schoen-kliniken.de/ptp/medizin/psyche/angststoerung/hypochondrie/