Wer jetzt einen Sommerflug bucht, könnte im Mai feststellen, dass der gebuchte Flug plötzlich nicht mehr existiert. Kein technisches Problem, kein Streik. Einfach kein Treibstoff. Genau das droht, wenn man den Signalen aus Brüssel glaubt. EU Sprecherin Anna-Kaisa Itkonen sagte Ende April vor Journalisten, dass es im Moment noch keine Versorgungslücke gebe. Dann folgte das entscheidende Aber: Kerosin sei „die Hauptsorge“, und Probleme könnten bald auftreten. Das ist für eine Behördensprecherin eine ungewöhnlich offene Aussage.
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Hormuzstraße zu, Probleme vorprogrammiert
Ungefähr ein Fünftel des weltweit transportierten Kerosins läuft normalerweise durch die Hormuzstraße. Täglich sind das rund 500.000 Barrel raffiniertes Flugbenzin. Seit Februar ist diese Route dicht. Iranische Streitkräfte haben sie im Zuge der Eskalation im Nahen Osten gesperrt, und bislang gibt es keinen Hinweis darauf, dass sich das bald ändert.
Der europäische Flughafenverband hat das bereits laut gesagt: Wenn die Sperrung über April hinaus anhält, werden die Lager irgendwann leer. Großbritannien ist dabei in einer besonders unangenehmen Lage, weil gut die Hälfte des britischen Kerosins aus dem Persischen Golf stammt. Wer so abhängig ist, hat kaum Spielraum.
Dazu kommt, was sich schon länger aufgebaut hat. Europas eigene Raffineriekapazitäten sind in den letzten Jahren zurückgegangen. Der Bezug aus Russland ist seit den Sanktionen weggefallen. Laut IATA kommt bereits heute fast ein Drittel des europäischen Kerosinbedarfs aus dem Ausland. Das System war schon vorher fragil.
Ryanair plant Streichungen
Michael O’Leary redet bekanntlich nicht lange um den heißen Brei herum. Im irischen Fernsehen kündigte er an, dass Ryanair zwischen Mai und Juli bis zu zehn Prozent seiner Flüge streichen könnte, falls sich die Lage nicht bessert. Für eine Lowcostairline mit engen Margen ist das kein Spielraum mehr, den man hat. Das ist eine Grenze.
Die Kerosinpreise sind seit der Sperrung stärker gestiegen als der Rohölpreis selbst. Das zeigt, dass der Markt das Raffinerieproblem längst eingepreist hat. Wer jetzt bucht, zahlt mehr. Wer später bucht, zahlt noch mehr, oder sitzt am Ende am Boden.
Was der Sommer bringen kann
Eurocontrol schätzt, dass bei anhaltender Lage täglich bis zu 1.150 Abflüge von Umwegen betroffen sein könnten, allein wegen der gesperrten Lufträume über dem Konfliktgebiet. Jede Umrouting kostet zusätzlichen Treibstoff, was die Knappheit weiter verschärft.
Branchenanalyst George Shaw bringt es auf den Punkt: Der Mai werde sehr schwierig, weil das durch die Sperrung der Hormuzstraße verlorene Kerosin schlicht nicht zu ersetzen sei.
Ob die Sommersaison einigermaßen normal verläuft, hängt also weniger von der Nachfrage der Reisenden ab als von Entscheidungen, die in Teheran, Brüssel und auf Tankerreedereien getroffen werden. Das ist eine ungewohnte Situation für eine Branche, die sonst vor allem mit Wetter und Streiks rechnet.
Quelle: https://www.tourism-review.com/jet-fuel-availability-worries-airlines-especially-in-europe-news15417






