Rund 964.000 Bienenvölker gibt es in Deutschland, betreut von circa 143.000 Imkerinnen und Imkern. Weniger als ein Prozent davon lebt von Honiggewinnung und Verkauf.
Für alle, die Bienen einmal aus der Nähe sehen wollen, ist das eine gute Nachricht. Die meisten Völker stehen nicht bei Großbetrieben, sondern in Gärten, auf Streuobstwiesen und an Vereinsständen. Wer fragt, bekommt oft eine Einladung.
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Inhaltsübersicht
So läuft ein Besuch beim Imker ab

Der einfachste Weg führt über den örtlichen Imkerverein. Viele Vereine betreiben einen Lehrbienenstand, an dem sie Neulinge ausbilden und Schulklassen empfangen. Dazu kommen Schauimkereien mit festen Führungszeiten und Bienenlehrpfade, an denen gläserne Beobachtungskästen stehen.
Geöffnet werden die Beuten nur bei warmem, ruhigem Wetter. Bei Regen oder kühlem Wind bleibt der Deckel zu, und die Führung wird zur Theoriestunde. Gute Monate für einen Besuch sind Mai bis Juli. Der Imker gibt einen Schleier aus, manchmal Handschuhe, und schickt etwas Rauch aus dem Smoker über die Waben. Dann zieht er Rähmchen für Rähmchen heraus. Man sieht verdeckelte Brut, Zellen voller Pollen in Gelb und Orange und oben die Honigwaben mit ihrem Wachsdeckel.
Ein paar Dinge helfen. Helle, glatte Kleidung ist besser als dunkler Wollpulli. Parfüm und stark duftende Sonnencreme bleiben besser zu Hause. Wer eine Bienengiftallergie hat, sagt das vorher und hat sein Notfallset dabei.
Wer die Honigernte miterleben will, muss das Timing treffen. Geschleudert wird nach der Frühtracht aus Raps und Obstblüte und später nach der Sommertracht. Ab Juli oder August beginnt bereits die Vorbereitung auf die nächste Saison mit Varroabehandlung und Auffütterung der Völker. Ein Besuch im September zeigt deshalb eine andere Seite der Imkerei: weniger Honig, mehr Sorge um gesunde Winterbienen.
Auf dem Honigmarkt: Was im Glas steckt

Honig aus der Region ist in Deutschland knapper, als viele denken. 2025 lag der Verbrauch bei 86.700 Tonnen, rund ein Kilo pro Kopf. Der Selbstversorgungsgrad stieg auf 45 Prozent, gleichzeitig importierte Deutschland rund 67.700 Tonnen. Die wichtigsten Herkunftsländer waren Argentinien, die Ukraine, Chile und Mexiko. Wer auf dem Markt direkt beim Imker kauft, weiß wenigstens, woher sein Glas kommt.
Wie viel ein Volk liefert, hängt stark vom Wetter ab. 2025 brachte mit durchschnittlich 39,4 Kilogramm je Volk einen Rekord. 2021 dagegen lag der Ertrag bei lediglich 19,2 Kilogramm, weil Regen die Bienen im Stock hielt. Das erklärt, warum bestimmte Sorten in manchen Jahren schlicht ausverkauft sind.
Beim Einkauf hilft ein Blick aufs Etikett. Die Marke „Echter Deutscher Honig“ des Deutschen Imkerbunds erlaubt höchstens 18 Prozent Wassergehalt, die Honigverordnung dagegen 20 Prozent. Nach der Gewinnung darf dieser Honig auch nicht gefiltert werden. Weniger Wasser bedeutet: Der Honig gärt nicht so leicht.
Fester Honig ist übrigens kein Qualitätsmangel. Rapshonig kristallisiert oft schon nach wenigen Tagen, Akazienhonig (eigentlich Robinie) bleibt dagegen monatelang flüssig. Waldhonig ist ein Sonderfall, denn Honig entsteht entweder aus Blütennektar oder aus Honigtau, einem zuckerhaltigen Ausscheidungsprodukt von Insekten wie Blattläusen. Daher kommen die dunkle Farbe und der malzige Geschmack.
Honigmärkte finden vor allem im Herbst statt, oft als Teil von Erntefesten oder Bauernmärkten. Im Dezember stehen viele Imker auf Weihnachtsmärkten, dann meist mit Kerzen aus Bienenwachs im Sortiment. Die beste Frage am Stand lautet: Wo stehen Ihre Völker? Die Antwort sagt mehr über den Geschmack als jedes Etikett.
Bienenwachs, Propolis, Honig: Was Naturkosmetik daraus macht

Im Kosmetikregal taucht die Biene in mehreren Formen auf. Bienenwachs, in der Inhaltsstoffliste als Cera Alba geführt, gibt Salben und Lippenpflege ihre feste Konsistenz und legt einen dünnen Schutzfilm auf die Haut. Honig (INCI: Mel) bindet Feuchtigkeit und steckt deshalb in Masken und Waschcremes.
Propolis ist das Kittharz, mit dem Bienen Ritzen im Stock abdichten. Es riecht harzig und wird wegen seiner antimikrobiellen Eigenschaften geschätzt. Allerdings zählt Propolis zu den bekannten Kontaktallergenen. Wer empfindlich reagiert oder auf Perubalsam allergisch ist, testet ein neues Produkt besser erst an der Armbeuge.
Bienengift: aufwendig gewonnen, gezielt eingesetzt

Das ungewöhnlichste Bienenprodukt ist das Gift selbst. Gewonnen wird es nicht durch Stiche in die Haut. Vor dem Flugloch liegt eine Drahtstromfalle; leichte Stromstöße bringen die Bienen dazu, ihr Gift abzugeben. Für Salben wird oft eine Glasplatte darunter angebracht, auf der das Gift antrocknet und später abgekratzt wird. Die einzelne Biene stirbt dabei nicht, weil ihr Stachel nicht stecken bleibt. Wird allerdings mehrmals im Monat über den ganzen Sommer gesammelt, gehen Bruttätigkeit und Honigertrag zurück. Seriöse Imker sammeln deshalb nur in Maßen.
Die Mengen sind winzig. Eine Biene trägt im Schnitt etwa 0,15 Milligramm Bienengift, bezogen auf die Trockensubstanz. Für ein einziges Gramm braucht es also Tausende Stiche auf die Sammelplatte. Hauptbestandteil ist das Peptid Melittin, je nach Quelle rund die Hälfte bis zu 70 Prozent des Gifts. Melittin ist zugleich das Hauptallergen.
In Salben sorgt Bienengift für ein Kribbeln und ein Wärmegefühl auf der Haut. Häufig kombinieren Hersteller es mit Pflanzenstoffen, die denselben Effekt verstärken. Die Bienengiftsalbe von Nature Nation ist ein Beispiel dafür: Neben Bee Venom enthält sie Capsicum, Minze, Eukalyptus, Arnika, Beinwell, Ringelblume und Bienenwachs. Der Hersteller gibt für sein Bienengift einen Melittinanteil von über 70 Prozent an und bewirbt eine Gewinnung ohne Bienensterben. Wer solche Angaben prüfen will, fragt nach dem Analysezertifikat der Charge.
Ehrlich bleibt dabei: Eine Bienengiftsalbe ist Kosmetik, kein Arzneimittel. Den Nutzen der Bienenstichtherapie im Rahmen der Apitherapie hält die Wissenschaft für nicht bestätigt und umstritten. Viele Anwender beschreiben das Wärmegefühl nach dem Einreiben an Knien oder Schultern als angenehm, ärztliche Behandlung ersetzt es nicht. Für Menschen mit Bienengiftallergie ist das Produkt tabu.
Häufige Fragen
Kann man als Laie einfach bei einem Imker vorbeischauen?
Unangemeldet besser nicht. Über den örtlichen Imkerverein oder eine Schauimkerei lässt sich ein Termin fast immer vereinbaren, am besten zwischen Mai und Juli.
Ist kristallisierter Honig verdorben?
Nein. Kristallisation ist ein natürlicher Vorgang, der je nach Sorte schneller oder langsamer abläuft. Im Wasserbad bei maximal 40 Grad wird er wieder flüssig.
Sterben Bienen bei der Gewinnung von Bienengift?
Bei der Methode mit Stromimpuls und Sammelplatte nicht, weil der Stachel nicht in der Haut stecken bleibt. Häufiges Sammeln schwächt aber das Volk.
Wer sollte auf Bienenprodukte in Kosmetik verzichten?
Menschen mit Bienengiftallergie meiden Bienengiftsalben komplett. Bei Propolis sollten Allergiker vorher einen Hauttest machen.
Hinweis: Wer nach dem Besuch beim Imker noch ein Glas mitnimmt, kann es beim nächsten Mal zurückbringen. Viele Imker füllen gespülte Gläser wieder auf und freuen sich über jedes, das zurückkommt.
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